Anders anders.


Jetzt mal ernsthaft: Die heutige Jugend ist verroht. Sie sind laut, vorlaut, unverschämt und überhaupt hätten man sich so etwas in seiner seiner Jugend sicher nicht getraut. Doch wer sind die Vorbilder dieser Jugend? Woher haben sie dieses verhalten? Ob sich die Jugendlichen wohl in ihrer – meiner Meinung nach – viel zu vielen Freizeit zusammensetzen und besprechen wie sie gegen die geltenden Gesellschaftlichen Normen verstoßen können? Oder doch nicht?

Es sind wohl kaum die Erwachsenen , die ihnen dieses Vorbild liefern. Unsere Generation war schließlich viel höflicher und freundlicher.

Wie viele Menschen, bin ich eigentlich ein offenener Mensch. Bereits in meiner Jugend war ich als freundliches, präsentes Kind bekannt, das auf seine Welt zugeht. Die meisten entgegneten meiner offenen freundlichen Art mit einer ebensolchen Freundlichkeit und Nettigkeit. Doch es gab immer diese Ausnahmen. „Frecher Kerl“, „vorlaut“ oder auch „nerv nicht“ waren noch die nettesten Entgegnungen der „großen“ auf mein höfliches „Hallo!“. Ich wusste halt nicht so recht wann Höflichkeit angebracht ist und wann nicht. Diese Menschen haben mir dann, dankenswerter Weise, beigebracht, dass, wenn sich Erwachsene unterhalten, nachdenken, oder nichts zu tun scheinen (!!!) oder eigentlich immer, Höflichkeit nur von anderen Erwachsenen toleriert wird. Bei jenen, von denen sie aber denken das sie jünger als sie selbst sind, oder weniger wissen über ihre gesellschaftlichen Normen, ist Höflichkeit immer unangebracht, denn schließlich kann man ja gar nicht wissen wann sie angebracht ist, weil man ja weniger darüber weiß. Klar soweit?
Wenn ich mir das ganze so vor Augen führe habe ich den Eindruck, das es immer diejenigen waren die eben anders reagierten die dann am lautesten über die aktuelle „heutige Jugend“ herzogen.

So habe ich mich also immer mehr in mein Schneckenhaus zurückgezogen und baute zu der Welt eine Mauer. Ich war nicht mehr höflich, nett, offen und freundlich, denn ich wollte ja höflich sein. Nett. Offen. Freundlich?! Und eigentlich wollte ich nicht mehr für ein nett gesäätes Wort den Schlag ins Gesicht ernten. Wollte mit den anderen nichts mehr zu tun haben. Ganz dahinter gestiegen wie das nun mit der Gesellschaft und ihren Normen so ist bin ich nämlich nie so recht.

Diese anderen aber waren so sehr in ihrer eigenen Welt, in die nichts von aussen dringen durfte, dass sie dort, eben wie ein Brückentroll, geradezu darauf zu warten schienen, dass wieder mal jemand ihre Brücke überqueren musste. Ihrer eigene, innere, in ihren eigenen Augen, heile Welt muss jeden der es es einmal wagen würde in sie einzudringen an einen der Höfe der Hölle erinnern. Doch auch hier haben die anderen durch die Unveränderbarkeit ihrer inneren Einstellung das Gefühl von Sicherheit: „Nich schön aber meins, wie ich es kenne.“

So lauern sie. Innerlich schon vor vorfreude zerplatzend, dass sie bald wieder jemanden hätten, den sie anschnauzen können, wird das dann eintreffende, willkommene Opfer dierekt zum Richterstuhl geführt. Während eines Kaffkaesken Prozesses, den die Moe Sizlacks in ihrem innern gegen einen führen, kann man nun nur noch schuldig gesprochen werden. Man ist Schuld an ihrer schlechten Laune, denn schließlich ist man ja einer jener Menschen, die so furchtbar mißraten sind und das ist ja der Grund warum sie schlechte Laune haben; schuldig an ihrer inneren Frustration, denn immer wieder wagen wir es in ihre heile Welt einzudringen oder einfach nur zu existieren. Sie geben einem die Schuld an allen Schmerzen die sie jemals haben, hatten und haben werden. Denn man ist der Stachel in ihrem Bein. Ganz wie der Löwe in der Fabel der die Maus fressen will, weil er einen Stachel im Fleisch sitzen hat. Doch Vorsicht: Hilft man diesen anderen werden sie einen sowieso fressen.

Ich hatte ja die Hoffnung, dass, nun da ich ganz sicher zu den Erwachsenen zähle – das kann man mit fast dreißig ohne falschen Stolz behaupten – nun also dachte ich dieses Kapitel hinter mir zu haben. Niemand wird auf ein freundliches, in den Raum geworfenes „Hallo“ derart brutal reagieren. Das ist ein Problem von vorwitzigen Kindern, eben jenen die ich heute für laut, vorlaut, unverschämt halte und die sich benehmen wie ich es mich überhaupt nicht getraut hätte.

Denkste!

Ich bekenne feierlich: Ich werde so nie wieder über Kinder, Jugendliche oder junge heranwachsende denken! Ich habe heute so einen Troll wiedergetroffen. Ich habe ihr ins Auge geblickt und in dem flackernden, hassenden Rund ihrer Augen gesehen, dass es jedem so ergehen kann. In ihren matten, glanzlosen Augen habe ich mich gesehen, gerade als ich Zigaretten kaufen wollte um es mir unter meiner Brücke nett einzurichten. Ich betrat den Laden dessen, mitlerweile selten anwesende Besitzerin ich schon lange kenne mit einem netten „Hallo Chefin….“ weiter kam ich nicht, obwohl ich eine Gesprächspause abgewartet hatte.. Sie hielt gerade Smalltalk mit zwei Kundinnen die sie zuvor bediente. Statt eines kurz erwiderten „Hallo! Ich bin sofort bei ihnen“ bekam ich ein „Sie sehen doch das ich beschäftigt bin! Wenn die Großen sich unterhalten hat man nicht dazwische zu reden!“ barsch an den Kopf geworfen. So ein Verhalten kannte ich bisher nur von den Verkäuferinnen eines großen Kaufhauses, wenn man diese in ihrem privaten Gespräch untebrach. Nicht aber, zumindest nicht mehr, von jenen, die ich seid nun Jahrzehnten kenne. Zugegeben: Ich kaufe nur selten in diesem Geschäft, aber immer war zumindest ihr Mann ausgesprochen höflich zu mir. Zumindest in der Art wie ich diesen Begriff verstanden habe.
Als diese „Dame“ dann bemerkte das ich wohl etwas verdattert dastand war sie noch so nett mir zu erklären was ich denn falsch gemacht habe. Sie sei seit heute morgen um viertel nach sieben wegen ihrer Schmerzen beim Arzt gewesen. Sie habe permanente schmerzen. Es gehöre sich einfach nicht andere so „von der Seite anzuquatschen“.
Überhaupt sei ihr bösartiges und unverschämtes Handeln zuwider und so etwas könne sie in ihrem Laden nicht ertragen.
Ich fürchte sie meinte damit mich und mein „Hallo“ oder sie wollte mir ihre Art ersparen. Sich selber hat sie jedenfalls nicht des Ladens verwiesen….

Für mich ist der Fall jetzt klar: Nicht ich habe ein Problem. Das haben tatsächlich die anderen.

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