Tag 2. Rebound on the Rocks….


Nachdem an Tag 1 ja nun, außer Kopfschmerzen, nichts wahr zu nehmen war, zeigte sich am zweiten Tag, dass ich zumindest den verdacht hatte, fest zu stellen, wann das Medikament aufhört zu wirken und sich ein Rebound einstellt.

Ich hatte am morgen geschafft diesen Bericht anzufangen. Das war produktiv und geplant. Sicher hätte man diese Zeit auch mit noch mehr Sinn füllen können, zum Beispiel etwas für die Uni zu tun, aber darum kann man sich ja noch in der entsprechenden Therapie kümmern.

Ich beschloss dann also das zu machen was ich immer mache, wenn mein limbisches System denkt das ich still sitzen für das Alter aufbewahren sollte: Ich fing an zu putzen. Ich bin kein guter Putzmann. Ich verliere mich in Details und darüber dann das angestrebte Endergebnis aus den Augen. So kann es passieren, wenn ich die Küche putzen will, dass zwar die Spüle blitzt und blinkt aber der Rest der Küche eher auf einen Messi schließen lässt, der in einem Wahn der Zerstörung seine Wohnung durcheinander gebracht hat. Ich kann mich dann aber über eine saubere Spüle freuen, und wie durch Zauberei habe ich ich es dann irgendwie geschafft, nebenher die Wäsche zu waschen, das Wohnzimmer aufzuräumen und etwas zu kochen. Ziel war zwar die Küche, aber der Rest der Wohnung ist ein annehmbares Ergebnis.

Gestern sollte es also die Küche bzw. der Kühlschrank sein, der eine Enteisung dringend nötig hatte. Immerhin schlossen die Schubladen schon nicht mehr. Das schöne an den heutigen Küchengeräten ist ja ihre Benutzerfreundlichkeit, die es der Hausfrau – oder dem Hausmann – enorm erleichtern soll ihren Aufgaben nach zu kommen. So hat das Eisfach unten, vor der Tür eine Rinne und einen Ablauf, über den – so zeigt es in der Bedienungsanleitung eine attraktive Putzteufelin, der Kategorie Bree Van de Kamp – das Wasser dann in eine geeignete Schale (nicht im Lieferumfang enthalten, als Zubehör erhältlich) aufgefangen und entsorgt werden könne.

Könne!

Denn es nützt die beste Rinne nichts, wenn das schmelzende Eis sich überlegt, sich vor dieser Rinne, im Innern des Fachs zu sammeln und dann einfach, in kompletter Ignoranz der Existenz der Rinne, irgendwo aus dem Tiefkühlfach zu laufen.

Wenn ich diesen alten Spruch einmal bemühen darf: Fließend Wasser in der Küche hatte ich mir anders vorgestellt. So kam ich dann in die Rolle des desperate Housewifes. Zum Glück hat der gadget-affine Mann, der ich bin, auch einen Staubsauger im Heim, der Wasser saugen kann. Ich konnte also meine erhoffte, neue Konzentration darauf verwendet werden Regelmäßig in die Küche zu gehen und dort das aus dem Kühlschrank rinnende Wasser auf zu saugen. Da ich ja jetzt mich auf eine Sache konzentrieren kann, und zwar (wie mir dann schien) nur noch auf eine sollte es dann auch dabei bleiben. Wasser Saugen, den Rest der nicht aufgesaugt wurde aufwischen und den Kühlschrank ausputzen, denn ich habe ja gelesen, dass man sich als ADHSler selber, wenn ein Abschnitt vollbracht ist, belohnen soll.

Ich belohnte mich also nach jeder Saug- und Wischaktion mit Chatten. Irgendwie muss eine üble Regierungsverschwörung existieren, die den Zeitverlauf beschleunigen kann ohne das man es bemerkt  – nicht das ich das nicht schon vorher wusste – denn alles dauerte dann bis Abends. Die Küche war noch Nass, ich hatte noch nichts gekocht, war in der zwischenzeit aber hungrig (bzw. dachte ich müsste mal was essen). Die ganze Wohnung, (und nicht nur die Küche!) sah aus als hätte ich gerade ein Putzaktion hinter mir gehabt.

Da eine Kühlschranküberholung nun am beste ausgeführt wird wenn dieser leer ist, hatte ich in der Zeit davor natürlich sämtliche Lebensmittel aufgebraucht, ohne diese durch neue zu ersetzen. Ich beschloss also das ich einkaufen gehen muss.

Seit Mittag merkte ich schon das ich immer nervöser und aufgedrehter wurde. Ich war in einer Stimmungen, die ich sonst sehr gut kenne, wenn ich den dritten müden Punkt überwunden hatte und mich zu einer tickenden Zeitbombe zu entwickeln drohte. Diese Stimmungen, die entweder ungehindert einem unkontroliertem Bewgungsdrang ihren Lauf lassen müssen, oder auch den berauschten Sprach- und Humorzentrum signalisieren sich zusammenzuschließen um den Vestand einzukerkern, um die alleinige Kontrolle über die Zunge an sich zu reißen, damit der Anarchie im Gehirn Ausdruck verliehen werden kann. In dieser Stimmung setzte ich mich also ins Auto, um einkaufen zu fahren. Mitten im Feierabendverkehr. Bei grauem Schmuddelwetter, wo jeder Sonntagsfahrer auf der Straße um übertriebene Vorsicht bemüht ist, denn schließlich könnte sich das Wetter ja auch zu einem Blizzard entwickeln!

Im Gerade heringebrochenem Herbst, im Ruhrgebiet.

Ich habe festgestellt das ich für diesen Gemüstszustand in meinem Auto eine Anzeige eingebaut habe: der Drehzahlmesser, der dann auch mal dem roten Bereich nahe kommt. Sinkt die Drehzahl wegen äusserer Umstände unter einen gewissen Punkt erklingt ein Warnton aus meiner Hupe.

In mir ensteht dann derDrang, dem ich Gott sei dank mit Rücksicht auf mein Auto wiederstehen kann, mir von den anderen Autofahrern, bzw. deren Autos, beim langsamer werden helfen zu lassen. Oder noch besser ihnen zu helfen das Gaspedal zu entdecken und wenn dies nicht gelingen sollte ihnen behilflich zu sein die neue Erfahrung zu machen, das man, dort wo 50 km/h erlaubt sind auch 50 erlaubt sind und dort wo es heißt 30km/h nicht 20 gefahren werden muss, nur weil es in einer oder zwei Stunde vielleicht anfängt zu regnen.

Vielleicht sollte ich mal bei „Q“ anfragen ob 007 seinen Wagen in der nächsten Zeit braucht.

Jede Rote Ampel ist dann ein persönlicher Affront der Stadtverwaltung gegen mich. Kurz: Ich bekomme eine Ahnung was gemeint ist wenn die Psychologie davon ausgeht, dass jeder Mensch in der Lage ist zu Töten!

Also, rein in den Supermarkt, mit seinen feundlichen Mitarbeitern, die sich dort, an ihrem Arbeitsplatz so wohl fühlen, dass sie den Supermarkt mit ihrem Wohnzimmer verwechseln, wo es ja auch unhöflich wäre sie im Gespräch zu unterbrechen.

Dazu bin ich jetzt in Stimmung!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter ADHS, MPH, Uncategorized abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s