Tag 3. Angriff der Rebellen….


Jetzt ist der dritte Tag um. Außer Sodbrennen gab es eigentlich immer noch keine schlimmen Nebenwirkungen. Das ist ja immer hin etwas. Eine Wirkung spüre ich aber auch nicht. Dass das Mittel aber wirkt, bzw. eine Wirkung haben muss, merke ich am Rebound. Ja, ich habe beschlossen, das was ich am Nachmittag merke Rebound zu nennen.Das subjektiv verstärkte Auftreten von den Symptomen die eigentlich durch das eingenommene Mittel bekämpft werden sollen. In meinem Fall: die Schwierigkeit konzentriert und stetig zu arbeiten – auch wenn diese Arbeit nicht durch den Hyperfokus eine manieähnliche Form annimmt.

 Aber warum ist das so, dass man nicht konzentriert arbeiten kann?

Nun, dafür gibt es , abgesehen von der mangelnden Konzentration, mehrere Gründe. Der erste ist wohl die innere Unruhe, die es nicht möglich macht an seinem Arbeitsplatz, z.B. einem Schreibtisch, zu verweilen. Diese kann sich in Albernheit, einfachem Bewegungsdrang und auch einer gewissen Gereiztheit niederschlagen, um nicht Aggressivität zu sagen. Gestern erlebte ich, in meiner Reboundzeit, gleich alles davon. Gott sei dank nicht gleichzeitig.

Ich werde wohl oder übel dazu übergehen müssen wie Aschenputtel die Party zu verlassen sobald die dritte Stunde geschlagen hat, wenn ich nicht riskieren will das man mir einen Pflock durch das Herz jagt, weil alle denken ich sei besessen.

Nur eben nicht um Mitternacht sondern am Mittag, so dass ich wohl am besten nur noch in Altenheimen feiere, wo ja bekanntlich um 14 Uhr Abendbrotzeit ist. Ob ich wohl dann, wenn ich ab nächster Woche 2 Tabletten nehme auch doppelt so viel „Spaß“ haben werde?

Der morgen begann großartig. Ich konnte endlich mal wieder ignorieren um 6.00 Uhr aufgewacht zu sein. Der Wecker ist somit rehabilitiert weil ich ja auch ohne ihn wach wurde. Das morgendliche Workout gelingt mittlerweile Prima. Ich esse mein Brot wie ein Profifrühstücker. Nach kurzem Kampf mit der restlichen Küche, die ja noch von gestern auf mich wartete, gab ich die Schlacht verloren, aber den Krieg noch nicht. Da griff mich, hart über die Flanke, das Telefon an.

 Am Apparat eine Freundin, die gerade dabei war ihre neue Wohnung zu beziehen. Sie habe zwar Probleme mit dem Aufbau der Möbel, würde das aber schon irgendwie hinbekommen, auch wenn es sehr schwer werden würde und sie nicht wüsste wie lange sie brauchte und überhaupt das richtige Werkzeug habe sie auch nicht. Dass ich ihr helfe sei aber nicht nötig…

 Klartext: HILFEEEE!

Es ist auch mal schön wenn jemand wenigstens versucht so zu tun als wolle er einen nicht ausnutzen und das Gefühl vermittelt, man habe eine Wahl. Oder noch besser, man habe sich selber Angeboten, ja, quasi aufgedrängt. Ich glaube, dass können nur Frauen. Meine Einschätzung ist: bei mir hat man immer das Gefühl ich dränge mich auf, egal ob ich helfe oder Hilfe benötige. Na gut, ich bin ja auch nicht umsonst in einer Therapie. Aber auch die konnte mich nicht vor einem folgenschweren Fehler bewahren: Ich sagte meine Hilfe für 14.00 Uhr zu. Die Küche würde schließlich bald zum Gegenangriff blasen und da wollte ich nicht unvorbereitet sein, oder, falls ich es doch nicht war, wenigstens nicht zu Hause. Pünktlich wie ein Student so ist, also um 20 nach, erreichte ich dann die Wohnung. Das Bett sollte zuerst aufgebaut werden. Ich legte also die laut Bedienungsanleitung notwendigen 100 Schrauben von 4cm Länge, sortiert an die Seite und fragte vorsichtig wo denn ihr Akkuschrauber sei…

Ihr ahnt es? Richtig! Irgendwo. Aber auf jeden Fall nicht in der neuen Wohnung.

 Macht ja nichts, ich habe ja eben erst einen neuen Satz Schraubenzieher mit gutem Griff geholt. Die ersten 20 Schrauben flutschten auch nur so hinein. Es war eine Freude. Ich fühlte mich wie Tim Taylor, aber ohne das etwas zu Bruch ging oder explodierte (was bei einem Holzbett wohl auch sehr gewundert hätte). Ab der dreißigsten Schraube war es dann nicht mehr so einfach die Schrauben überhaupt anzusetzen, denn mittlerweile hatte mein Hirn, zumindest der Teil, der für meine Hand-Augen-Koordination zuständig ist auf „drehen“ geschaltet und zu Feinmototrik keine Lust mehr. Aus diesem Grunde wurde es immer Schwieriger die Schrauben anzusetzen. Die Spirale begann. Ich nahm immer mehr Schrauben von dem Haufen und dieser wurde und wurde nicht kleiner. Aber nehmt auch mal einen Eimer Wasser aus dem Rhein, dadurch fallen die Schiffe in Rotterdam auch nicht trocken.

 Bei 50 streikten mein Kopf, mein Arm und meine Motivation dann gänzlich und gründeten unter Vorsitz meiner guten Laune eine Gewerkschaft / [:slash]Terrorzelle und steckten meinen Magen in Brand, das die Magensäure nur so kochte. Einzig das männliche Ehrgefühl versuchte noch den Brand zu löschen und in Ruhe weiter zu arbeiten. Hinterrücks schlich sich dann aber die durch das MPH eingenebelte Multitaskingfähigkeit an, die andere fehlende Konzentration auf das wesentliche nennen, und warf sich lallend vor das nächste fahrende Auto.

 Wir beschlossen also die Stunde Fahrt auf uns zu nehmen und von ihren Eltern einen Akkuschrauber zu besorgen. Ängstlich schaute ich auf meine Reboundanzeige im Auto, die aber „alles im grünen Bereich“ meldete. Bis wir auf den Hof fuhren. Ich merkte schon wie sich der Schalk in meinen Nacken setze und begann es sich dort gemütlich zu machen. Kichernd und juchzend gingen wir durch das Treppenhaus, was sich auch oben angekommen nicht besserte. Was soll ich sagen: es ist aufgefallen. Ein dummer Spruch folgte dem nächsten, ohne das ich es kontrollieren könnte bis wir dann wieder fuhren, in der Gewissheit ihren Eltern nie wieder unter die Augen treten zu wollen. Das Bett wollen wir dann morgen aufbauen, denn schließlich hatte sich die Multitaskingfähigleit von ihrem Unfall erholt und beschloss jetzt gleichzeitig zu liegen, etwas zu knabbern und fern zu sehen.

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