Tag 40…Pillen alleine sind ja nicht alles…


…so, hab ich mir sagen lassen, also musste auch eine Verhaltenstherapie her.

Doch die Achtsamkeitstherapie, mein Mittel der Wahl fordert ihren Tribut. Es gibt Hausaufgaben: Bewusst wahrnehmen, mit 5 Sinnen beschreibenwas ich erlebe. Nur im Hier und Jetzt sein.

Wenn ja, warum nicht und wenn nein warum doch.

Na toll. Jetzt sitze ich hier und soll„achtsam“ sein. Eigentlich sollte ich es schon die ganze Woche,aber das war für mich ungefähr so einfach, als ob mir jemand gesagt hätte: „Denk mal an nichts!“

Die ganze Zeit habe ich versuchtachtsam zu zu sein mit dem Ergebnis, das ich mich nur daraufkonzentrieren konnte, auf was ich ich denn nun alles achten sollte.

Bewusst wahrnehmen. Achtsam sein. Ganzbei der Sache sein und dann daran denken wie es ist, wenn nichts ist,außer dem was gerade jetzt ist. Also sitze ich hier und versuchewenigstens mich nur auf das sitzen zu konzentrieren. Klappt nicht,denn immerhin schreibe ich ja in diesem Moment den Text. Ich merkewie meine Gedanken sich um Formulierungen drehen, gleichzeitig aufdas was passiert und auf das was ich fühle. Multitasking. Alles aufeinmal, aber nichts alleine. Eher ein schnelles hintereinander, dennechtes Multitasking soll es ja angeblich nicht geben. Keine Ahnung.

Bewusst wahrnehmen. Sobald ich dasversuchte nahm ich bewusst wahr, das ich etwas bewusst wahrnehmensollte. Nichts mehr weiter. Das ich gerade aber was anderes mache,spazieren, arbeiten, einkaufen, schreiben gerät in den Hintergrund.Ganz bei der Sache sein. Das kann ich doch eigentlich. Wenn ich inden Hyperfokus gerate, mich in eine Tätigkeit fallen lasse, ist dasdie leichteste Übung der Welt. Aber jetzt und auf Kommando? Dabeidann auch noch beobachten was in mir geschieht. Entweder rausoder rein sagt mein Verstand. Drinnen oder draußen. Dem ist draußeneh lieber, Männern wird ja eh unterstellt sie seien mit ihrem selbstnicht so sehr auf Du und Du.

Vielleicht ist mein Schreiben undsitzen dann ja noch die die geeignetste Übung?

Ich sitze an meinem Schreibtisch. MeineFinger bearbeiten die Tastatur. Ich spüre den Druck, den Wiederstandder Tasten….

Huch… Die Katze springt mir auf dieBeine. Süß. Das mag ich, der Leichte Druck von meinem Liebling,zeigt mir ihre Zuneigung. Schön meine Katze liebt mich, muss ja sosein, denn schließlich bin ja nur ich ihr Sitzmöbel. Bravhalte ich still, damit sie nicht wieder runterspringt. Man will sichdieses Zarte Band ja nicht zerschneiden und wenn das Bein noch sokrampft.

Hat aber wieder alles wenig mit meinemSchreiben und Sitzen an sich zu tun.

Von vorne. Ich sitze an meinem Schreibtisch. MeineFinger bearbeiten die Tastatur. Ich spüre den Druck, den Wiederstandder Tasten….

Was machen eigentlich meine Sinne? Die haben Pause. Es riecht nach…… nichts. Natürlich, ich bin ja in meiner Wohnung. Nach was soll es da riechen außer nachmir? Den Geruch kenne ich an den hab ich mich gewöhnt.

Der PC brummt. Bis ich „achtsam“ war hatte ich dasGeräusch ausgeblendet. Na großartig. Hab ich es nicht gesagt?Sobald ich versuche mich auf mich zu konzentrieren bemerke ich das Geräusch des Lüfters. Dieses leise säuseln. Nicht störend, wieein Wasserhahn der Undicht ist und tropft. Tropfen kleiner Nadelndirekt ins Trommelfell. Dafür ist es zu sonor. Zu gleichmäßig. Zugewohnt. Aber es ist da. Gerade war es das nicht. Ob es wiederverschwindet? Sind hier nicht genug Geräusche? Die Vögel die sichstreiten, die Autos, das Leben der Stadt… Jetzt sind die auch alle da. Wo istmeine Stille hin? Ich wollte doch nur hier sitzen und achtsam daraufachten, dass ich sitze!

Ok. Ruhig durchatmen. ….Erst mal einen Kaffee kochen. Der läuft durch. Ich schütte ihn in meine Tasse. Das glucksende Geräusch, das die Flüssigkeit beim eingießen macht, der Dampf, der die Aromen dieser weitgereisten Köstlichkeit vom anderen Ende des Atlantiks zu mir wehen lässt. Der Zucker, der immer zuerst in die Tasse gehört um dann schon beim einschenken durchwirbelt zu werden, wird, wer hätte es gedacht, durchwirbelt, bis der Kaffee ihn in seine wohlige Dunkelheit aufnimmt, ihn festhält und ihn von der Welt abschirmt… Die Milch ergießt sich aus dem Tetrapack. Ein Schwall weißer milde, die verspricht den Kaffee abzurunden. Beruhigend, wie eine Lavalampe verteilt sich die träge Wolke in der Tasse. Wie grausam, der hart klirrende Löffel, der diesen Tanz zerreist. Alles homogenisiert, zu einer gleichmäßig braunen Flüssigkeit.

So ist es besser. Ich sitze an meinemSchreibtisch. Meine Finger bearbeiten die Tastatur. Ich spüre denDruck, den Wiederstand der Tasten…. Lecker der Kaffe. Immerhin istnun ein Sinn da. Genaugenommen sind es ja zwei, denn Gruch undgeschmack gehören ja schon irgendwie zusammen. Sie sind eineEinheit.NA toll. Nicht mal mal meine Sinne konnen sich nur auf einesache konzentrieren. Aber der Kaffe tut mir gut. Ich merke wie mirdas Warmgetränk den Mund durchflutet. Ein vertrauter Geschmack,schließlich habe ich ja nun schon Jahrelange Erfahrungen imKaffeekochen und hin und her probiert, bis ich endlich das Rezepthatte das mir am meisten zusagt. Das Geheimnis? Ein Prieslein Salz.Diese sanfte Bitterkeit, die im Spiel mit der süße des Zuckers undder cremigkeit der Milch sich anfühlen wie eine warme Decke in einerkalten Nacht. Sie umschmeicheln meinen Gaumen, bis in die Nasenspitzedringt das karamellige. Der warme kaffe, der seinen Weg durch dieBrust nimmt umspült mit seiner Wärme mein Herz, im doppelten Sinne,füllt meinen Brustkorb mit wärme und setzt sich schlummernd inmeinen Bauch.

Setzen? Verdammt. Ich wollte sitzen und schreiben und DAS beobachten. Jetzt aber: Ich sitze an meinem Schreibtisch. MeineFinger bearbeiten die Tastatur. Ich spüre den Druck, den Wiederstandder Tasten….

Ach das hat doch alles keinen Sinn. Jetzt bin ichkomplett raus.

Ich höre nur noch wahlweise den Lüfter, freue mich über die Katze und trink Kaffee.

Ich werde nie etwas gescheites geschrieben bekommen um es ab zu geben. Wie in der Schule früher. Man bemüht sich und nix kommt bei rum.

Es ist zum Haare raufen!

Moment mal! Lüfter hören, Katzespüren, Kaffe trinken. Das sind drei!

Und das alles nehem ich wahrwährend ich sitze!

Vier!

HA! So schwer war bewusstes wahrnehmen auch auf Kommande nicht, man muss sich nur mal hinsetze und konzentrieren.

Das bewusst wahrzunehmen was man dann auch wahrnehmen will übe ich dann noch.

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