SelbstHilfeGruppe – oder: dumm gelaufen.


Im Leben eines Menschen stellt sich vielleicht einmal die Frage: ich habe ein Problem, sollte ich da eventuell zu einer Selbsthilfegruppe gehen? Ich hatte letztes Jahr einmal in die ADHS-Gruppe reingeschaut aber das ganze dann irgendwie aus den Augen verloren.
Die Gruppe in meiner Stadt trifft sich, wie ich aus einer Email des Leiters der Gruppe wusste, 2 mal im Monat. Das erste mal in einem zentral gelegenen SHG Zentrum, dass zweite mal auf der ANDEREN Seite der Stadt: in einem Lokal im Westpark.

Ich war gestern an Treffpunkt Nr.1. So weit, so gut. Man müsste zwanzig Minuten bis allerobermaximalstens eine dreiviertel Stunde laufen, was dann davon abhängt, wie schnell man sich entscheiden kann welche der Dönerbuden adäquat scheint dort seine dreifuffzig zu lassen, um dort dasselbe zu bekommen wie in den anderen Läden oder auch wie lange man benötigt um den Döner dann zu essen. Man hätte noch genug Zeit ein wenig zu Trödeln und die Schaufenster zu begutachten, etwas zu trinken zu kaufen und so weiter.

Aber nicht ICH!

Ich habe fast ZWEI Stunden gebraucht!

Eigentlich macht mir so ein abendlicher Spaziergang nichts aus, er bereitet mir gelegentlich sogar Freude, aber, da ich ja schon an Standort 1 dreißig Minuten gewartet hatte und bei einem Lokal das sich hier in der Nähe befand, welches auch schon als Ausweichlocation diente, nachgesehen hatte ob dort ein bekanntest Gesicht sei, sollte es möglichst schnell und möglichst ohne lange Fußwege von statten gehen.

Da bot sich der Bus an. Zwar dauert die Fahrtzeit etwas länger aber dafür ist die Bushaltestelle direkt an jenem 2. möglichem Treffpunkt dem Lokal, das sich in irgendeiner Ecke des Parks befindet. Welche Ecke weiß ich heute. Gestern wusste ich es noch nicht. Aber dazu später mehr.

Nun der Bus fährt im nördlichen Teil der Innenstadt ab. Ein kurzer Umweg der aber von mir gerne in Kauf genommen wurde, denn schließlich hätte ich am Ziel angekommen nur kurz an erwähnten Park schauen müssen wo denn das Treffen nun genau stattfindet. Und ich weiß das es nicht weniger als 3 Dönerbuden auf dem Weg zum Bus gibt!

Gegen die Fahrt mit der Bahn sprach aus meiner Sicht, – wohlgemerkt meine Sicht BEVOR ich wieder zu Hause war! – das ich nur ein kurzes Stück hätte fahren können. 2 Minuten Bahnfahrt. Das lohnt nicht. Schon gar nicht wenn man dann noch 5 minuten zur Bahn laufen und mindestens 5 Minuten von der Bahn zu dem Park laufen muss, wo ja dann noch der Treffpunkt an sich zu suchen ist. Nein 2 Minuten Bahn fahren und zehn oder gar 15 Minuten laufen schien mir inkzeptabel.

Ja, ja—- Ich mag meine Pro/Contra-Listen.

Ich machte mich auf den Weg zum Zentralen Omnibusbahnhof, der, aus der Sicht eines Fußgängers an sich schon mal gar nicht Zentral ist und sich dann auch noch auf beide Seiten des Hauptbahnhofes aufteilt. Aber die zwei Stationen mit der Bahn schienen mir immer noch übertrieben. Denn da hätte ich ja auch hin gehen müssen. Treppen runter. Auf die Bahn warten. Nein, nein, mein Inneres brüllte förmlich nach direkter Aktion! Warten ist auch keine Lösung! Sofort Angriff! Also Döner holen, McDonalds war zu voll und am näher gelegenen Teil des Busbahnhofs fragen zu welchem Teil ich denn nun muss, der Minibogen würde schnell Rendite abwerfen, wenn ich nicht erst suchen muss.

Die Dönersauce auf meiner Jacke verteilend ging ich also zum richtigen ZOB. Zum „Hier Essen? Mit Alles?!“ war es ja zu spät. Und wie schön sich die Sauce von der Farbe der Jacke abhebt. Nein so kann man nicht zu einem Treffen gehen,wo man die Leute erst einmal gesehen hat aber die man eigentlich in Zukunft öfter sehen will…

Kurzer Halt am Bahnhofsklo. Jacke säubern. Weiter. An den gruseligen Typen vorbei, die zum Nordausgang gehören wie… wie… wie etwas das halt zusammen gehört. Sie töten dich nicht. Sie sehen nur so aus als würden sie gerne. Nordstadt GangstA!

Meine Gedanken rasen. Getrieben von der Zeit und meiner inneren Uhr die auf „VIEL ZU SPÄT!“ steht. Noch die lange Treppe runter. Da muss sie sein. Die Haltestelle. Wann fährt der Bus? Egal! Irgenwann! Du bist schon weit über eine Stunde zu spät dran. Der Nordausgang sieht auch jedesmal schlimmer aus. Alles dreckig und versifft. Alles voll Schlamm und Dreck. Dabei sollte doch hier alles schöner werden. Hier soll doch der Zentrale Omnibusbahnhof erweitert werden. Die beiden versprengten Teile sollten zusammengeführt werden. Der südlich ZOB soll dem DFB Museeum weichen. Die Minuten ziehen sich wie Stunden, die Sekunden wie Minuten und doch ist alles rasend schnell, wie in Zeitraffer.

ZOB — Zwei Teile— Zusammenführen— Alles voller Dreck —- Umbau— Baustelle—

Baustelle! Verdammt!

Der ZOB wird umgebaut.
Vertigo!
Der Raum dehnt sich während ich ich auf mich gestoßen werde.
Alle Haltestellen sind mit roten Tüten „Haltestelle ausser Betrieb“ zugepflastert.
Hinweis: „Ersatzhaltestellen in der Grünen Straße!“ Die Straßen sind aber alle schwarz!
Taxitand! Taxifahrer wissen alles. Die Grüne Straße ist einen Block weiter Richtung Norden. Umdrehen? Doch die Bahn nehmen? NIEMALS. Es ist Krieg! Krieg gegen die Zeit. Ich bekomm langsam die Krise. Der Bus fährt im Halbstundentakt. Ich beginne wieder zu laufen. Werde schneller. Eigentlich Blödsinn. Ich weiß doch gar nicht wann der Bus fährt. Aber besser jetzt laufen als zu sehen wie er mir vor der Nase weg fährt. Ausruhen kann ich dann im Bus. Die Ampel ist rot. Da steht er. Der Bus. Meine Linie. ENDLICH die Pechsträhne ist vorbei. Er hat den Blinker gesetzt. Das heißt er muss die Haltestelle da Rechts anfahren.

Moment.

Er fährt links?

Links? Ja stimmt.
Ich darf mich nicht in die Sichtweise des Fahrers versetzen wenn mir der Bus FRONTAL gegenübersteht! Ich darf mich nicht in die Sichtweise des Fahrers versetzen wenn mir der Bus FRONTAL gegenübersteht! Ich darf mich nicht in die Sichtweise des Fahrers versetzen wenn mir der Bus FRONTAL gegenübersteht! Ich darf mich nicht in die Sichtweise des Fahrers versetzen wenn mir der Bus FRONTAL gegenübersteht! Ich darf mich nicht in die Sichtweise des Fahrers versetzen wenn mir der Bus FRONTAL gegenübersteht!

Ich hab verloren. Die Schlacht ist geschlagen. Melancholische Musik und Regen und ich wäre in einem Film. Einem schlechten Film. Mindestens dem Falschen.

Ich gebe auf. ÖPNV ist gestorben für mich.

Ich lege die Strecke, die der entspricht, die ich von Treffpunkt 1 im Westen der Stadt zu Treffpunkt 2 im Osten – durch die fröhliche, beleuchtete Einkaufsmeile – hätte zurücklegen müssen nun vom Norden der Stadt aus zurück – vielleicht ist es sogar ein wenig weiter. Zu Fuß! Das war der letzte Bus des Tages.

Bahn? Nein! ÖPNV ist jetzt auch der Feind. Alliierter mit der Zeit! Durch Horden der NordstadtgangstA. Einige mit Kinderwagen, Frau und Kindern an der Hand unterwegs, getarnt als brave Familie. Mir machen die nichts vor! Wenn schon keine GangstA, so sind es vielleicht Busfahrer. Ist ja klar das die laufen. Die kenne das System!
Eine Trostlose Gegend in düstere Beleuchtung getaucht, die mehr verhüllt als sie zeigt, zieht hohl, verlassen und öde an mir vorbei. Ich schleppe mich durch die verlassene Industriebrache der Stadtwüste. Der Versorgungstrakt der Großküchen und des Postsortierzentrums für die strukturgewandelte Stadt. Graue Mauern mit Putz aus dem Dreck der Jahrzehnte. Dunkle Seitenstraßen. Ich will die andere Beleuchtung wieder. Die hat zwar mehr verdeckt als gezeigt, aber diese zeigt gar nichts. Geschlossene Geschäfte. Ein Bäcker, ebenfalls geschlossen, ernniert mich daran das ich heute kein Brot gekauft habe. Mal wieder.

Da sehe ich ihn! Da ist er! Der Westpark.

Mitten durch? Ich habe die Nordstadt überlebt. Das Glück ein weiteres mal ins Gefecht zu drängen scheint mir gewagt. Nein! Also links um den Park.

Ich war fast am richtigen Ort. Vielleicht vier- oder fünfhundert Meter entfernt von dem Kaffee. —Wäre ich rechts rum gegangen!

Eine Stunde Fußmarsch und über eine dreiviertelstunde Zögerns nach pünktlich traf ich also ein.

Seltsam. Wussten Sie das so ein Treffen eigentlich immer so ungefähr 2 Stunden dauert?

Naja, eine Schilderung des Rückweges spare ich mir, das war ein wenig komplizierter.

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